
„Das STADT-SPIEL – Kinder gestalten ihre Welt“ ist eine Kooperationsveranstaltung des Kreisjugendrings Herzogtum Lauenburg e.V. und der Stadt Mölln.
Dieses Beteiligungsprojekt wurde erstmalig 1999 durchgeführt und seitdem im zweijährigen Turnus realisiert, in jedem Jahr mit teilweise unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Das Projekt hat sich mittlerweile im Kreis Herzogtum Lauenburg fest etabliert und ist weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus bekannt.
2007 hat der Bund der Deutschen Landjugend dem STADT-SPIEL den Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis verliehen.
2008 wurde das STADT-SPIEL mit dem Bürgerpreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet und darüber hinaus in der Kategorie Alltagshelden auch mit dem Nationalen Bürgerpreis, Deutschlands größtem Ehrenamtspreis.
2010 hat das Bündnis für Demokratie und Toleranz im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ das STADT-SPIEL als besonders vorbildlich eingestuft und mit einem Preis geehrt.
2012 ist das STADT-SPIEL als Gewinner des Publikumspreises beim bundesweiten Wettbewerb "Der ideale Ort" von Das Örtliche hervorgegangen.
Seit 2005 nimmt regelmäßig eine polnische Gruppe aus dem Partnerkreis Slupsk teil, ebenso wie SchülerInnen der Möllner Steinfeld-Förderschule.
2009 besuchte auch eine französische Teilnehmergruppe die Kinderstadt Tillhausen.
Seit 2009 wird die arbeitsweltbezogene Jugendarbeit praktiziert, die Kindern und Jugendlichen durch die Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft praktische Erfahrungen und Einblicke in verschiedene Berufe ermöglicht. Ebenso wird seitdem „ der Dialog der Generationen“ gefördert, indem engagierte ältere Mitbürger_innen Projekte für die Kinder anbieten.
2007 wurde die Städtepartnerschaftsurkunde durch den Tillhausener und den Möllner Bürgermeister unterzeichnet und Tillhausen offiziell zur Partnerstadt Möllns ernannt.
2011 wurden der Kinderstadt vom Schirmherrn des Projektes, Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie, die Stadtrechte im Rahmen des STADT-SPIELS verliehen.
Beim Projekt „Das STADT-SPIEL – Kinder gestalten ihre Welt“ leben 300 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren zehn Tage lang mit ihren Betreuer_innen in der von ihnen selbst verwalteten Zeltstadt „Tillhausen“. Auf dem Gelände des Möllner Freibades „Luisenbad“ mit den angrenzenden Wiesen werden an die 50 Zelte aufgebaut, Strom- und Wasserleitungen verlegt und sanitäre Einrichtungen bereitgestellt. Das DRK sorgt mit seiner Feldküche für die tägliche Verpflegung der rund 450 Personen. Dieses Modell, das den Kindern nicht nur tagsüber Arbeitsmöglichkeiten bietet, sondern zusätzlich Übernachtungsmöglichkeiten mit Freizeitprogramm, war bundesweit das erste seiner Art und lange Zeit einmalig in Deutschland.
Zweimal täglich arbeiten die Kinder jeweils zwei Stunden in verschiedenen, vom Arbeitsamt vergebenen Jobs und verdienen sich ihre „Till Taler“, die stadteigene Währung. Die Auswahl an Berufen ist groß: Ob als Parlamentarier, bei Radio, Zeitung oder Fernsehen, als Profi-Sportler, Artist, Musiker, Handwerker, bei der Bank, der Post, der Stadtreinigung, im Reisebüro, in der Cafeteria, der Kirche oder als Selbständige_r, alle verdienen den gleichen Lohn.
Der Arbeitsplatz Politik zeigt exemplarisch die Ausgestaltung der Zielsetzung „Beteiligung und Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen“.
Aus allen Zeltgruppen werden am ersten Tag Vertreter_innen gewählt, die die Stadtvertretung bilden und täglich in der Arbeitszeit tagen, um über Verbesserungsvorschläge, Wünsche und Kritik der Stadtbewohner_innen zu beraten bzw. Beschlüsse zu fassen und diese dem Organisationsteam vorzutragen. Aus der Mitte der Stadtvertreter_innen wird am fünften Tag nach einem „heißen“ Wahlkampf der_die Bürgermeister_in gewählt. Die Stadtvertretung nimmt ihre Aufgaben sehr ernst und sorgt für das Wohlbefinden ihrer Bürger_innen. So wurde z. B. im Parlament beschlossen, dass jede_jeder Einwohner_in drei Till Taler Steuern bezahlen muss, dass die Kirche ihre Kollekte vom Sonntagsgottesdienst der Stadtvertretung zur Verfügung stellen soll, damit besonders verdiente Bürger der Stadt eine Auszeichnung erhalten können, dass jedes Schlafzelt einmal an erster Stelle bei der Essensausgabe und bei der Vergabe der Jobs anstehen darf oder auch dass es nach der Bürgermeisterwahl eine Wahlparty geben soll. Durch die Arbeit im Stadtparlament werden demokratische Prozesse eines Gemeinwesens für Kinder und Jugendliche begreifbar und erlebbar gemacht.
Der Verdienst kann in einem geschlossenen Wirtschaftskreislauf für stadtintern produzierte Waren und angebotene Dienstleistungen wieder ausgegeben werden. So können Produkte des Kunsthandwerkermarktes gekauft, eine Reise im Reisebüro gebucht oder selber gebackener Kuchen in der Cafeteria erworben werden. Neben der Arbeitszeit gibt es täglich Raum für verschiedene attraktive Freizeitangebote, z. B. Vorführungen von Feuerwehr oder THW, Spiel-Olympiade oder für die „Stadtstunde“, in der einzelne Arbeitsplätze ihre Ergebnisse auf einer Bühne vorführen.
Der Tagesablauf der Veranstaltung ist wie folgt strukturiert:
7.00 Uhr Wecken mit der aktuellen Sendung des „Stadtradios“
8.00 Uhr Frühstück
9.00 Uhr Öffnung des Arbeitsamtes, Verteilung der Jobs
9.30 - 11.30 Uhr Arbeit in den Projekten
12.00 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Öffnung des Arbeitsamtes, Verteilung der Jobs
14.15 Uhr Zeltbetreuerbesprechung
14.00 - 16.00 Uhr Arbeit in den Projekten
16.00 - 17.00 Uhr Stadtstunde
17.15 Uhr Projektleiterbesprechung
18.00 Uhr Abendessen
ab 18.30 Uhr Zeltlagerzeit
ca. 19.30 Uhr Abendprogramm
21.00 Uhr Till TV – die Tillhausener Tagesschau
22.00 Uhr Nachtruhe
Durch dieses Beteiligungsprojekt werden den Kindern auf eine für sie angemessene Art gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge transparent und erlebbar gemacht. Ihr Engagement und ihre soziale Kompetenz werden gesteigert, ihr Demokratieverständnis wächst und ihre Kenntnisse verschiedener Berufsbilder und wirtschaftlicher Strukturen werden vertieft.
Ca. 150 ehrenamtliche und ca. 15 hauptamtliche MitarbeiterInnen werden in das Projekt eingebunden, wodurch auch die Kooperation in der Kinder- und Jugendarbeit im Kreis Herzogtum Lauenburg gestärkt wird. Viele ehemalige STADT-SPIEL-Teilnehmerkinder absolvieren mit 15 Jahren die Jugendleiter-Assistenten-Ausbildung und mit 16 Jahren die Jugendleiter-Ausbildung, um anschließend in der ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit tätig zu sein.
Anliegen des Kreisjugendrings ist es, das Angebot an Freizeitmaßnahmen im ländlichen Raum durch dieses außergewöhnliche Projekt zu bereichern. Auch Kindern aus Familien mit besonderen Problematiken bietet der Kreisjugendring diese innovative, integrative und Demokratie fördernde Ferienmaßnahme an.
Als Dachverband verschiedener Vereine und Verbände schafft der Kreisjugendring den Gesamtrahmen und installiert durch die Einbindung aller Vereine und Verbände ein Netzwerk für die Kinder- und Jugendarbeit im Kreis Herzogtum Lauenburg.