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    13.12.2017

    Knapp 60 Jugendliche machen „Politik nebenbei“

    - Politik und Kreisjugendring nehmen Ideen für mehr Beteiligung entgegen -


    Kreispäsident und Schirmherr Meinhard Füllner eröffnet die Veranstaltung

    Kreistagsabgeordneter Fabian Harbrecht im Gespräch

    Kreistagspräsident Meinhard Füllner im Gespräch

    Die Teilnehmenden in der Diskussion mit den Kreistagsabgeordneten aller Fraktionen

    Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann stellte sich den Fragen

    Im Planspiel wurde gemeinsam diskutiert

    Im Ideenlabor wurden Ansätze für mehr Beteiligung junger Menschen erarbeitet

    60 Teilnehmende und die Politiker_innen setzen sich gemeinsam ins Bild

    Vom 8. bis 9.12.2017 hießen der Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg (KJR) und Kreispräsident Füllner fast sechzig Teilnehmende zum Workshop mit Planspiel „Wenn du mich fragst...“ in der Ratzeburger Jugendherberge willkommen. An zwei Tagen erlebten vor allem junge Menschen im Alter zwischen 13 und 24 Jahren Kommunalpolitik in einem interaktiven Rahmen, kamen mit Aktiven aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik ins Gespräch und entwickelten eigene Positionen und Strategien, um junge Menschen nachhaltig stärker an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

    Als Kreispräsident Füllner und KJR-Vorsitzender Jens Pechel die Veranstaltung am Freitag eröffnen war bereits ein Ziel von Seiten der Initiatoren erreicht. So gut wie alle Plätze waren besetzt – und das bei einem Thema, bei dem gerade Jugendlichen oftmals ein Desinteresse nachgesagt wird. Dem widersprach Füllner jedoch bereits in seinen Grußworten: „Wir wissen, dass Jugendliche immer politischer werden, allein scheinen die politischen Strukturen für die junge Altersgruppe schlicht nicht attraktiv, um sich zum Beispiel parteipolitisch zu engagieren. Politischer Nachwuchs ist jedoch in einer Parteiendemokratie notwendig“. So nahm Füllner auch Bezug auf den Kreistagsbeschluss aus 2016, welcher den Grundstock für die Veranstaltung legte und das Ziel setzte, Menschen aus dem Kreis an das Thema Kommunalpolitik heranzuführen und zu motivieren sich selbst zu engagieren.

    Angeleitet von drei Referenten der Berliner Firma „planpolitik“ starteten die Teilnehmenden am Freitag in zwei Gruppen in ein Planspiel, welches sie anhand eines kommunalpolitischen Szenarios in Rollen von Politik und Interessenvertretung schlüpfen ließ. In einer fiktiven Stadt stand die Vergabe von Fördermitteln für Jugendprojekte sowie die Bildung eines Jugendbeirats auf der Tagesordnung der Ratsversammlung. Dabei fanden sich die Teilnehmenden in Parteifraktionen oder Jugendverbänden wieder und verhandelten mit großer Ernsthaftigkeit und viel Einsatz um Inhalte und Positionen. Dass politische Entscheidungen nicht immer einfach und Kompromisse einzugehen sind, wenn beispielsweise eine Seniorenpartei die meisten Sitze innehat, wurde ziemlich schnell deutlich und führte bei manch einem zwischenzeitlich auch zu Frustration. Durchhaltevermögen und Konfliktfähigkeit war somit angesagt.

    Freitagabend wurden die im Planspiel aufgekommenen Herausforderungen, aber auch Chancen mit den anwesenden Politikern aus CDU, SPD, FDP und den Grünen in Gesprächsrunden diskutiert. Norbert Brackmann, Meinhard Füllner (CDU), Manfred Börner, Fabian Harbrecht, Bärbel Kersten (SPD), Susanne Itzerott, Thomas Kuehn (FDP) und Annedore Granz (Bündnis 90/Die Grünen) beantworteten zahlreiche Fragen und gingen darüber hinaus auch auf persönliche Werdegänge oder ihre Motivation für das politische Engagement ein. So wurde teils bis in die späten Abendstunden beim gemütlichen Get-Together zusammengestanden und festgestellt, dass Politiker letztlich auch nur Menschen mit Visionen sind.

    Doch was läuft eigentlich schief mit politischer Beteiligung von Jugendlichen? Denn die Möglichkeiten für Mitbestimmung sind nicht nur auf kommunaler Ebene oftmals sehr begrenzt. Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmenden am Samstag in Form eines Ideenlabors. „planpolitik“ führte die Gruppen durch mehrere Phasen, ließ den jungen Menschen Raum für Kritik und Visionen. Am Ende wurden Kreispräsident Füllner, der anwesenden Politik und dem KJR acht  konkrete Ansätze präsentiert, die jungen Menschen mehr Mitbestimmung einräumen sollen. Die Anwesenden zeigten sich schwer begeistert von den weitreichenden Ideen: von einer verpflichtenden täglichen „halben Stunde Politik“ und jährlichen Planspielen in der Schule, über Mitbestimmung des Landesschülerparlaments in Bildungsfragen, über demokratische Erziehungskurse für Eltern und Demokratiebildung in Kindergärten, lokale Austauschforen für Jugend und Politik und Jugendquoten in Parteien, bis hin zu einer Wissens- und Kommunikations-App rund um „Kommunalpolitik“ sowie digitale jugendgerechte Internetforen der Parteien. „Für uns als KJR sind das tolle Ergebnisse, welche wir nun an die Adressaten weiterleiten und gemeinsam mit dem Kreispräsidenten dem Kreistag vorlegen werden“, erläutert Arne Strickrodt, Geschäftsführer des KJR, das weitere Vorgehen. „Bereits zur Anmeldefrist im November war uns klar, dass das Thema Kommunalpolitik und Mitbestimmung bei Jugendlichen auf Interesse stößt. Dass die Ergebnisse so konkret sind, krönt unsere Erwartungen“, ergänzt Sara Opitz, welche beim KJR als Projektkoordinatorin „Demokratie leben!“ tätig ist und den Workshop organisierte. Und auch die Politik äußerte sich positiv. Fabian Harbrecht von der SPD kündigte bereits an, zwei Ideen mit in den Parteitag zu nehmen und auch auf Landesebene seiner Partei zu diskutieren.

    Am Ende des zweiten Tages waren sichtlich alle Beteiligten zufrieden. So sei „Politik nebenbei“ in den Augen eines Teilnehmers nun gar nicht mehr so eine große Hürde und vor allem auch für junge Menschen machbar. Neben dem Zugewinn an Wissen über Kommunalpolitik und neuen Impulsen für Beteiligung gaben die Teilnehmer auch zu verstehen, wie wertschätzend sie die Bereitschaft der Politik empfanden, den Workshop zwei Tage als Beobachter und Ansprechpersonen begleitet zu haben. Für die Initiatoren aus Politik, Verwaltung und des KJR schließlich eine gelungene Veranstaltung mit Blick in die Zukunft.

    „Wenn du mich fragst...“ wird von der Partnerschaft für Demokratie Kreis Herzogtum Lauenburg  im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.


     
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    Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg e.V.
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